dr. michael blume
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RELIGIONSWISSENSCHAFT AUS FREUDE
 

Religion und Demografie

"SWR-Radiointerview (mp3): Macht Religion fruchtbar?", SWR2-Impuls mit Doris Maull, 05.05.2009


Die Wissenschaft kennt in Vergangenheit oder Gegenwart des modernen Menschen nicht eine einzige Gesellschaft ohne religiöse Vergemeinschaftungen. Auch totalitäre Staaten und „rationalistische“ Weltanschauungen haben Religiosität und Religionen nicht dauerhaft auslöschen können. Warum? Ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass gemeinschaftsbezogene Formen von Religiosität weltweit und quer durch alle Weltreligionen über die Entfaltung einer Vielzahl von Familienformen regelmäßig mit einer durchschnittlich höheren Kinderzahl einhergehen. Religionsgemeinschaften, die nicht (oder nicht mehr) erfolgreich transzendent verankerte Gründe für Familien, Kinder vermitteln sowie Bildungs- und Betreuungseinrichtungen errichten, scheinen ihrerseits in diesem Wettbewerb auf Dauer unweigerlich einzugehen. Religiosität ist nicht die einzige Variable menschlichen Familienverhaltens, aber sie ist empirisch nachweisbar wirksam. Daher gilt:
Weltweit haben religiöse Menschen mehr Kinder als säkulare - und der Abstand steigt tendenziell in Bereichen höherer Bildung. Hier eine Auswertung einer australischen Volkszählung: Stadtbewohnerinnen von Adelaide, Kinderzahl nach Religionszugehörigkeit und Bildungsabschluss.


Religiöse Menschen sind weltweit durchschnittlich kinderreicher, d.h. reproduktiv erfolgreicher als ihre säkularen Nachbarn gleicher Schicht.


In einem gewissen Sinne wächst Religiosität also auch nach Perioden der Säkularisierung in "immer wieder in neuen Formen nach", sowohl durch demografisch erfolgreich adaptierte, religiöse Minderheiten im Inneren wie durch (meist aus religiös-kinderreicheren Gesellschaften stammende) Zuwanderung. Und diese Befunde sind natürlich auch für die Evolutionsforschung des Menschen außerordentlich interessant, legen sie doch nahe, dass auch Religiosität (analog z.B. zur Musikalität) als erfolgreiches, genetisch veranlagtes Merkmal evolviert sein könnte - und weiter evolviert.


Und: unter demokratischen Vorzeichen brechen religiöse Monopole oder Kartelle auch demografisch zusammen und es entfaltet sich eine wachsende und im Wettbewerb dynamisierende, religiöse Vielfalt.


Veröffentlichungen & Vorträge (Auswahl)


"Von Hayek and the Amish Fertility. How religious communities manage to be fruitful and multiply. A Case study", in: Frey, Ulrich (Hrsg.), "The Nature of God - Evolution and Religion", Tectum Verlag Marburg 2010


"Wenn Kinder ein Segen sind", Tagesspiegel Essay zum Valentinstag 2010


"The Reproductive Benefits of Religious Affiliation", in: Voland, E.; Schiefenhövel, W.: "The Biological Evolution of Religious Mind and Behaviour", Springer Frontier Collection 2009 (Book chapter, English, in print).


"Evolutionsgeschichte der Religion - Glauben stärkt Kooperation und Reproduktion", Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte Bd. 29, 2008, S. 21 - 38


"Glauben und Demografie - Der übersehene Wettbewerb der Religionen", Die Politische Meinung Nr. 468, KAS April 2008, S. 33 - 39


"Rückkehr der Religion - wohin?",
Katholisches Sonntagsblatt der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ausg. 05/2008


"Wird Deutschland islamisch? Religionsdemografische Zahlen & Fakten", Evangelische Akademie Bad Boll, 24.11.2007
Hier: Kurzfassung, in: SYM 01/2008


"The reproductive Benefits of Religiosity. Empirical findings of Religion, Reproduction and Female Choice towards a Sociobiology of Religion",
International Conference “Trans-Cultural Universals: Biological evolution of religiosity”, Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) – Institute for Advanced Study, September 2007


"Freiheit, Religion und demografische Entwicklung"
Vortrag zu den Hayek-Tagen, Potsdam 07.06.2007


"Religion und Demografie"
Vortrag an der Universität Leipzig, 08.05.2007


"Glaube und Erfolg: Das Ja zum Leben",
Katholisches Sonntagsblatt der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ausg. 11/2007



"Warum schrumpfen säkulare Gesellschaften? Neue Erkenntnisse von Glauben und Evolutionstheorie.",
Interview bei www.islam.de, 28.01.2007


Seminarbericht (2006, Tübingen):

Islam 2030 - Erstellung einer begründeten Prognose


Religion als demographischer Faktor - Ein unterschätzter Zusammenhang?
Michael Blume, Carsten Ramsel, Sven Graupner
Marburg Journal of Religion, Juni 2006 (deutsch)



Religion as a demographic factor - An underestimated connection?” - (Englisch)


Buch:


Vaas, R.; Blume, M.: "Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Zur Evolution der Religiosität", Hirzel 2009

Vaas & Blume: Gott, Gene und Gehirn. Warum Glaube nützt. Die Evolution der Religiosität. Hirzel 2009




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